- Geschrieben von: Neve Qaraday
Scroobys Weg verläuft nicht geradlinig, sondern spiralförmig zurück zur Hitze und zum Rauch seiner Jugend. Auf der Farm seiner Großmutter an der Westküste aufgewachsen, war Feuer für ihn ein Ritual: Familien-Braais, Rauchschwaden, die sich in den Himmel kräuselten, und gemeinsam genossenes Essen an einem Tisch, an dem das Lachen so lange nachklang wie die Glut.


Willkommen auf meiner Insel
17 Jahre lang arbeitete Shaun als Safari-Guide und erzählte staunenden Reisenden Geschichten über Tiere und Landschaften. Doch als der Lockdown kam, kehrte er nach Hause zurück, baute einen alten Stall auf dem Weingut Remhoogte um und erweiterte ihn bis Dezember 2023 um ein Gastronomiekonzept am Damm – eine Leidenschaft, die bis heute anhält.
„Ich möchte nicht, dass die Leute das Gefühl haben, einen Tisch in einem schicken Restaurant reserviert zu haben. Ich möchte, dass sie sich eingeladen fühlen. Das ist meine Insel.“ Shaun Scrooby
Der Zugang zu VUUR ist verblüffend einfach. Ein unscheinbarer Stall, sandgewaschene Wände, ein Dach, das Sonne und Sturm erlebt hat. Wären da nicht die niedrigen Rauchschwaden in der Ferne und die Wärme, die beim Näherkommen ausstrahlt, könnte man es leicht für ein gewöhnliches Wirtschaftsgebäude halten.

Drinnen eröffnet sich eine andere Welt: Holzbalken, raue Oberflächen, das leise Knistern von Eichen- und Flechtwerk im Kamin. Die Tische sind nicht formell oder übertrieben gedeckt, sondern mit Bedacht, klaren Linien, schlichtem Glasgeschirr und einer unaufdringlichen Eleganz. Man fühlt sich weniger wie in einem Restaurant, sondern eher wie in einem privaten Zuhause willkommen geheißen.
„Genau darum geht es. Das ist meine Insel, und ich möchte, dass sich die Leute hier wie zu Hause fühlen.“ Sean Scrooby

Theater am Feuer
Im VUUR ist Essen nie passiv. Gäste essen hier nicht einfach nur, sie erleben es.
„Ich glaube, die Menschen suchen immer mehr nach einzigartigen Erlebnissen. Wenn man das Essen nicht nur sehen und riechen kann, während es vor den eigenen Augen zubereitet wird, sondern auch ganz nah herangehen, sich mit dem Koch unterhalten oder einfach nur zusehen kann, bis der Teller serviert wird, dann muss das wie Theater sein. Je mehr man darüber weiß, warum das Gericht zubereitet wurde, woher es kommt und wie es hergestellt wird, desto stärker ist die Verbindung zu dem, was man isst. Wir sollten nicht nur mit unseren Sinnen essen, sondern auch mit Verständnis. Dann erinnert man sich an das Essen, weil man sich an die Geschichte dahinter erinnert“, erklärt Shaun.
Und so wird das Feuer zur Bühne, Shaun zum Erzähler und jeder Gang zu einem weiteren Akt in einem Stück, das sich langsam, bedächtig und mit viel Flair entfaltet. Unkompliziert, entspannt und einfach umwerfend. Vergessen Sie steifen Service und steife Tischmanieren. Im Vuur ist die Atmosphäre so ungezwungen und authentisch wie das breite Grinsen des Küchenchefs, wenn er Ihnen einen Teller serviert. Es ist locker, entspannt, bodenständig – fast so, als würde man zufällig in ein Grillfest im Garten geraten, bei dem der Gastgeber die Instinkte eines kulinarischen Poeten besitzt. Holz, Rauch und Flammen sind die Leitprinzipien, aber Gemütlichkeit, Wärme und Gastfreundschaft prägen den Geist.
Und dann ist da noch die Speisekarte: kurz, prägnant und selbstbewusst. Wie eine handgeschriebene Playlist der größten Hits – jedes Gericht hat seinen Platz.
Brot, Knochen und Anfänge
Der Vorhang hebt sich mit dem Knochenmark-Sauerteigbrötchen. Ein goldgelber Laib, der aufgeschnitten wird und die Weichheit des Brotes offenbart, glänzend mit schwarzer Knoblauchbutter, gekrönt mit Stachelbeermarmelade und gefüllt mit geröstetem Knochenmark.

„Brot ist der erste Händedruck“, sagt Shaun. „So heißen wir Gäste willkommen. Aber ich wollte, dass unseres etwas frecher, etwas unerwarteter ist.“ Es ist zugleich ursprünglich und verspielt: die Reichhaltigkeit des Marks, der Duft des schwarzen Knoblauchs, die süß-säuerliche Note der Stachelbeere, alles harmonisch vereint durch den Rauchgeschmack. Ein Gericht, das einen innehalten und lächeln lässt, weil man seine Souveränität und seine Wärme spürt.

Das Knistern der Perfektion. Dann kommt der mit der Angel gefangene Gelbschwanzmakrelen, und plötzlich ist das Theater, von dem Shaun sprach, keine Metapher mehr, sondern Realität.
Die Haut ist eine Offenbarung: Über der Flamme blasig geröstet, bis sie wie Glas zerbricht, so knusprig, dass das Geräusch der Gabel beim Durchstechen fast lauter ist als das Gemurmel der Unterhaltung. Darunter ist das Fleisch zart und glänzend, ein Spiel der Kontraste: das Knuspern der Röstaromen, die sanfte Zartheit perfekt gegarten Fisches. Ein Hauch von Rauch liegt in der Luft, Eukalyptus und Akazie ziehen sich wie ein roter Faden durch das Gericht. Kohl und Salat sind keine bloße Beilage, sondern eigenständige Akteure: Angebrannte Blätter bringen eine angenehme Bitterkeit, frisches Grün sorgt für Frische. Der ganze Teller erinnert daran, dass die besten Gerichte jene sind, die mühelos wirken, obwohl sie es in Wirklichkeit gar nicht sind. Es ist die Art von Gericht, die einen für immer für weniger guten Fisch verdorben hat.

Das gereifte Rindertartar wird mit gegrilltem Lauch-Toast und Frühlingszwiebeln serviert, deren rauchige Aromen den reichhaltigen Geschmack des rohen Rindfleischs perfekt ergänzen. Das täglich frisch zubereitete Premium-Steak, oft ein trocken gereiftes Rib-Eye, strahlt Tradition aus, doch Shauns Feuer verleiht ihm eine neue Tiefe. In Rinderfett gebratene Kartoffeln sind knusprig, Karotten und Bohnen nehmen den Holzrauch auf, und eingelegte rote Zwiebelscheiben sorgen für Frische.

„Manchmal wollen die Leute einfach nur ein richtiges Steak mit Pommes“, grinst Shaun. „Und wenn ich es zubereite, dann wird es das beste Steak sein, das ich auf den Teller bringen kann.“
Ein Reiseführer wird zum Geschichtenerzähler
Shaun ist kein klassisch ausgebildeter Koch. Er stammt nicht aus einer Michelin-Kochschule. Vielmehr ist er ein Reiseführer, der seine Gäste nicht durch Savannen, sondern durch Aromen führt.
„Zuerst dachte ich, Reiseleiter und Koch wären völlig unterschiedliche Berufe. Aber eigentlich sind sie im Grunde gleich. Es geht darum, aufmerksam zu sein. Bei einem Vogel oder einer Fährte. Hier ist es eine Karotte oder ein Stück Mark. Die Freude ist dieselbe.“
Seine Jahre im Busch lehrten ihn die Kunst des Geschichtenerzählens und die Geduld des Beobachtens. Im VUUR überträgt er diese Fähigkeiten auf das Essen. Der Speisesaal wird zu seiner Savanne, das Feuer zum Brüllen seines Löwen, die Gerichte zu seinen Erzählungen.

Mehr als nur eine Mahlzeit
Am Ende eines Nachmittags im VUUR wird deutlich, dass dieses Erlebnis jedem Gast lange in Erinnerung bleiben wird. Es ist eine Art Insel, nicht geografisch, sondern im Geiste. Eine Insel, wo Feuer die Gezeiten, Rauch die Brise und Gastfreundschaft der Sand unter den Füßen ist.
Shaun hat mehr als nur einen Speisesaal geschaffen; er hat einen Zufluchtsort geschaffen. Einen Ort, an dem sich die Gäste gesehen, kulinarisch verwöhnt und in eine größere Geschichte eingebunden fühlen. Wo es bei jedem Gang nicht nur um Geschmack geht, sondern um Verbundenheit – zum Feuer, zur Erinnerung, zueinander.
Als der Nachmittag sich dem Ende neigt, glühen die Glutreste schwach gegen die Balken, und man kann Gnus, Springböcke und Zebras auf der nahen Weide grasen sehen. Die Gäste verweilen noch, zögernd zu gehen, die Gläser halb leer, aber die Stimmung gut. Shaun blickt ins Feuer und dann wieder zu seinen Gästen. „Nicht jeden Tag kann man sagen: Willkommen auf meiner Insel“, sagt er lächelnd. In der Tat.