Mitsuharu Tsumura — “Micha” to the world

In einer Welt, die von Instagram-tauglichen Restaurantfotos überflutet wird, erinnert Maido daran, dass Exzellenz sich immer noch wie eine herzliche Umarmung anfühlen kann. Japanische Wurzeln, peruanisches Herzblut – und nun offiziell das beste Restaurant der Welt laut „The World’s 50 Best Restaurants“. Die lebendige, präzise und völlig unprätentiöse Kreation von Küchenchef Mitsuharu „Micha“ Tsumura besticht durch außergewöhnliche Küche und ein tiefes Verständnis für die eigenen Wurzeln.

Das beste Restaurant der Welt befindet sich derzeit nicht in Paris, Kopenhagen oder Bangkok. Es liegt in Lima, wo der Pazifik auf die Anden trifft und wo Maido – japanisch für „Willkommen“ – laut einer Jury aus 1.120 Kulinarikexperten gerade zum besten Restaurant der Welt gekürt wurde. Die 50 besten Restaurants der WeltEs gibt Auszeichnungen und dann gibt es Krönungen. Dies ist Letzteres.

Team Maido at the World's 50 Best 2025 Ceremony

Maido ist der Tempel von Mitsuharu Tsumura – weltweit bekannt als „Micha“ –, einem Koch, der wie ein Diplomat kocht und wie ein Anthropologe mit einem Verkostungslöffel denkt. Fünfzehn Jahre nach Projektbeginn haben er und sein Team Peru nach dem historischen Sieg von Central im Jahr 2023 zum zweiten Mal den ersten Platz auf der Liste der 50 besten Restaurants der Welt gesichert. Doch während Central intellektuell ist, ist Maido gefühlvoll. Weniger Theorie, mehr Theater. Micha richtet nicht einfach nur ein Gericht an; er inszeniert es, führt Regie und spielt die Nebenrolle für Zutaten, die selten, wenn überhaupt, die Gelegenheit hatten, sich zu Wort zu melden.

Eines vorweg: Die Nikkei-Küche – die mittlerweile weltberühmte Verschmelzung japanischer und peruanischer Traditionen – ist längst keine Neuheit mehr. Das ist sie schon lange nicht mehr. Was Maido macht, ist keine Fusion. Es ist nicht einmal ein Zusammentreffen zweier Welten. Es ist eine Geographiestunde, unterrichtet mit Skalpell, Essstäbchen und Ceviche-Löffel.

There’s discipline here, make no mistake. Micha trained at Johnson & Wales and did time in the institutional kitchens of Japan — where knives are treated like talismans and timing is spiritual. But the joy of Maido is not in its perfection. It’s in its personality. There’s no starch in the white coats, no solemnity in the tasting notes. You get umami and mirth in equal measure. Micha’s food is elegant without being cold, intelligent without being coy. 

Umami molleja by Maidozigzag by Maido

Im Maido flirten Seeigel und Avocado auf eine Weise, die europäische Degustationsmenüs wie Internatsessen wirken lässt. Zutaten aus dem Amazonasgebiet – vor dem Aussterben oder schlichter Vergessenheit gerettet – werden nicht auf Podesten präsentiert, sondern auf Stäbchen serviert. Selbst sein glänzendes, millimetergenau geschnittenes Sashimi wirkt eher wie ein Gedicht als ein Produkt. Und doch ist der Raum von einer besonderen Atmosphäre erfüllt. Es wird gelacht. Es gibt Salsa. Es herrscht, man mag es kaum glauben, pure Lebensfreude.

„Bei Maido geht es um Spaß. Es ist ein kreatives Restaurant, aber eben alles andere als ein formelles Restaurant… Unsere Idee ist es, Genuss für alle zugänglich zu machen. Genau das wollen wir erreichen“, sagte Micha.

Diese Woche stand Micha in Turin bei der Gala inmitten der Industriehallen von Lingotto Fiere mit einem breiten Grinsen da, das tausend Gäste hätte beköstigen können. Der Sieg, sagte er, sei „ein wahrgewordener Traum“ – nicht nur für ihn allein, sondern auch für sein Team, seine Familie und sein Land. Man kann vermuten, dass er sich umso süßer anfühlt, da er ein Jahr zuvor in Las Vegas den Estrella Damm Chefs' Choice Award gewonnen hatte, der ihm von seinen Kollegen verliehen wurde – jenen Menschen, die genau wissen, was es kostet, an die Spitze zu gelangen und wie viel seltener es ist, dabei freundlich zu bleiben.

Mitsuharu Tsumura “Micha”

Das Bemerkenswerteste an Maido ist jedoch, dass es nie nach diesem Titel gestrebt hat. Es wurde nicht für die Podiumsplätze konzipiert. Es besitzt nicht die distanzierte, fast schon steife Art so vieler Gourmetrestaurants, die Ernsthaftigkeit mit Bedeutung verwechseln. Maido basiert auf einem einfachen Versprechen: dass man großartig sein und trotzdem menschlich bleiben kann. Dass man für die Welt kochen und trotzdem seine Wurzeln nicht vergessen kann.

In Michas Händen ist Peru keine Flagge oder ein Klischee. Es ist eine Speisekammer. Die Erinnerung einer Großmutter. Eine Küste. Eine Schüssel Reis. Eine Flasche Sojamilch. Es ist Nikkei, ja – aber vor allem ist es lebensnotwendig.

Und jetzt ist es die Nummer eins.

Maido - the entranceMaido - interior

Maido

Calle San Martín 399, Miraflores, Lima 15074, Peru
Tel. +51 1 3135100
www.maido.pe
Instagram @maido_lima
Facebook @MaidoLima
Twitter @maido_lima

Öffnungszeiten
Mittagessen: Montag–Samstag, 12:30–15:00 Uhr
Abendessen: Montag–Samstag, 19:00–22:30 Uhr
Sonntags geschlossen

Ausgewählte Auszeichnungen
Platz 1 der Liste „Die 50 besten Restaurants der Welt 2025“
Platz 2 auf Lateinamerikas Liste der 50 besten Restaurants 2024
Estrella Damm Chefs' Choice Award 2024
Auszeichnungen für den besten Koch – Drei Messer

Fotos von der Gala „World’s 50 Best“: Hier ansehen

Strategin, Geschichtenerzählerin und aufmerksame Beobachterin der kulinarischen Welt. Sie schreibt an der Schnittstelle von Gastronomie, Kultur und Ort. Mit ihrer Erfahrung im Luxusmarkenmanagement und ihrem scharfen redaktionellen Blick arbeitet sie mit Köchen, Kreativen und Institutionen zusammen, um Geschichten zu erzählen, die weltweit Anklang finden. Als Mitbegründerin von Chefluencer fördert sie eine globale Gemeinschaft kulinarischer Stimmen mit Einblicken, Neugier und tiefem Respekt vor dem Handwerk.